Ein Freund für Fremde sein

In diesem Jahr sind allein in Deutschland über eine Million Flüchtlinge angekommen. Die meisten von ihnen stammen aus Krisengebieten und haben Trauriges erlebt. Und sie alle haben eines gemeinsam: Sie leben nun in einem völlig fremden Land.

Es ist das Hauptthema in den Medien: Die Zahl der Geflüchteten übertrifft die Erwartungen der Politiker, Behörden und Ehrenamtliche sind überfordert, und viele Menschen sind angesichts der hohen Anzahl Fremder beunruhigt.

Was Zeitung, Fernsehen und Internet über die Entfernung jedoch nicht vermitteln können, ist: Die meisten dieser Geflüchteten sind freundliche und interessierte Individuen und Familien. Und was sie brauchen, ist unsere Freundschaft.

Familie und Freunde an erster Stelle
Viele der Menschen, die nun als Fremde unter uns leben, kommen aus kollektivistischen Kulturen. Das bedeutet, dass für sie Familie und Freunde an erster Stelle stehen. Das Ausmaß, in dem sich eine Person aus einer kollektivistischen Kultur mit ihrer Familie identifiziert, ist für uns als Deutsche schwer nachvollziehbar. Aus diesem Grund ermutigen wir dich dazu, auf die Gäste in unserem Land zuzugehen, denn sie sehnen sich nach Anschluss und nach Beziehungen.

Solche Freundschaften führen dann zum Beispiel dazu, dass eine geflüchtete Dame ihr Baby im Beisein ihrer deutschen Patin zur Welt bringt. Ein Mann aus dem Irak, der Schlimmes durchgemacht hat, öffnet sich und erzählt zum ersten Mal nach Monaten einem deutschen Bekannten seine Geschichte. Eine junge Frau aus Afghanistan hängt an ihren neuen deutschen Freunden wie an Familienmitgliedern. Und eine albanische Dame öffnet sich gegenüber einer deutschen Ehrenamtlichen und fühlt sich von ihr verstanden.

Wie können wir praktisch Freundschaft anbieten?
Der wichtigste Grundsatz für jede Freundschaft lautet: Keine Beziehung entsteht ohne Zeit. Umso mehr gilt dies für den Umgang mit den Geflüchteten, die oft ein ereignisorientiertes Denken haben (anstatt wie wir deutschen ein zeitorientiertes).

Wo man in Deutschland ein Gespräch einfach in drei Minuten abschließen kann, ist es in anderen Kulturen oft wichtig, erst einmal das „Drumherum“ zu klären, bevor man zur eigentlichen Sache kommen kann: Wie geht es deiner Familie? Wie geht es deinen Eltern? Wie geht es deinen Kindern? Indem du Interesse an dem Privatleben das anderen zeigst, signalisierst du, dass du sein Freund sein möchtest.

Gute Nachbarn sein
In deiner Nachbarschaft oder in deinem Stadtviertel leben geflüchtete Menschen? Nimm dir Zeit, sie zu begrüßen. Stelle ihnen deine Familie vor und zeige ihnen, wo sie einkaufen oder zum Arzt gehen können. Werde einfach ihr „Lieblingsnachbar“ :-). So hilfst du ihnen nicht nur, sich im Alltag zurecht zu finden und sich hier zu integrieren, sondern du zeigst ihnen auch, dass sie willkommen sind.

In der Bibel finden wir Gottes Anweisung, wie wir uns Fremden gegenüber verhalten sollen: „Wenn ein Fremdling bei dir in eurem Lande wohnen wird, so sollt ihr ihn nicht beleidigen. Ihr sollt euch gegen den Fremdling, der sich bei euch aufhält, benehmen, als wäre er bei euch geboren, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge in Ägypten gewesen. Ich, der HERR, bin euer Gott.“ (3. Mose 19, 33f)

Hilfreiche Materialien zur Erstinformation:

Heft als Download: "Flüchtlinge willkommen heißen" 

Erstorientierungsflyer für Flüchtlinge und Ehrenamtliche:
Erstorientierung für Asylsuchende

 Den Menschen respektvoll und liebevoll begegnen
Auch, wenn es wichtig ist, dass die Fremden die deutsche Kultur kennenlernen, ist es nötig, die Menschen in ihren kulturellen Gewohnheiten zu respektieren. Die meisten der Geflüchteten haben Schlimmes erlebt. Viele von ihnen haben ihre Familie, ihren Wohlstand, ihre Arbeit verlassen und leben hier mit wenig Hab und Gut in Massenunterkünften. Wie wertvoll ist es da, wenn sie hier auf Leute treffen, die ihnen mit einem demütigen Herzen und auf Augenhöhe begegnen!

So sollten beispielsweise Männer Freundschaften zu Männern aufbauen und Frauen Freundschaften zu Frauen. In den meisten Kulturen ist der Abstand zum anderen Geschlecht viel höher als in Deutschland. Wenn du Muslime besuchst, solltest du die Schuhe ausziehen, bevor du ihr Zimmer betrittst. Sei sensibel, und wenn du dir nicht sicher bist, beobachte erst einmal, wie andere vorgehen.

Beim Deutschlernen helfen
Die Sprache öffnet ja bekanntlich Türen. Ohne die Sprache zu verstehen, können die Fremden nicht einkaufen, keine Freundschaften schließen, Arztbesuche sind schwer und Integration ist praktisch unmöglich.

Du hast ein paar Stunden in der Woche frei? Besuche eine Familie zuhause und bringe ihnen nach und nach etwas Deutsch bei. Vielleicht kannst du dich auch mit jemandem zusammentun und eine Gruppe unterrichten (z. B. in euren Gemeinderäumen). Oder du triffst dich regelmäßig mit einer Person und bringst ihr etwas bei. So etwas macht einen großen Unterschied im Leben der Menschen!

Hier findest du einige Materialien und Infos zum Thema Sprachkurse:

Unterrichtsmaterialien für Deutsch als Fremdsprache: www.lingolia.de

Wycliff-Deutschkurse für Flüchtlinge: Wycliff-Flüchtlingsseiten

Kultur und Leben erklären
Dass sich Deutschland in vielem von Syrien, dem Irak und anderen Ländern unterscheidet, liegt auf der Hand. Vieles ist für die Neuankömmlinge anders, und sie merken schnell, dass sie das Leben, wie sie es von zuhause kennen, hier in Deutschland so nicht mehr weiterführen können. In dieser Zeit brauchen sie Freundschaften!

Öffne dein „Herz und Haus“ und gib ihnen einen Einblick in dein Leben. Zeig ihnen, was man in Deutschland zu Abend isst (und lass sie probieren :-). Beschreibe ihnen, wie Feste (Geburtstage, Weihnachten etc.) in deiner Familie gefeiert werden. Erkläre ihnen, welche Werte in der deutschen Gesellschaft wichtig sind (z. B. Pünktlichkeit bei Arztbesuchen oder Sauberkeit auch in öffentlichen Räumen), und ermutige sie dazu, Fragen zu stellen.

Dazu gehört auch der christliche Glaube, dem viele in ihren Herkunftsländern kaum begegnet sind. Als Freunde wollen wir auch das wertvollste miteinander teilen. Wichtig ist dabei, dass du ihre Religionsinhalte nicht kritisierst. Erzähle einfach von deinem Leben als Christ und von Jesus als deinem Retter. Wenn du von Problemen weißt, frage sie, ob du für sie beten darfst. Und das wichtigste: Sei respektvoll, aber mutig!

Materialien zum Kulturverständnis:

Eine Orientierungshilfe über das Leben in Deutschland: www.refugeeguide.de

Biblische Geschichten etc. in mehr als 6000 Sprachen: www.globalrecordings.net

Weitere Materialien

ERF-Medien: in 30 Sprachen am Telefon kostenlos zu hören
täglich fünfminütige Botschaften

Ev. Ausländerdienst Dortmund: fremdsprachige Bibeln
www.ead-direkt.de

MSOE: Christliche Kalender in vielen Sprachen
www.MSOE.org

Tools und Bewegungen, die zum multiplikativen Wachstum beitragen können:
www.4training.net

T4T Schulungsprogramm für Jüngerschaft:
http://www.trainingfuertrainer.de/mehr

Entdecker Bibelstudium:
http://www.dim-online.de/training/bibel-entdecken

Link: Fachkundige Begleitung von Gemeinden und Missionaren